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Möllen im NET(Z) Sehenswertes Bilderbogen Geschichte Teil 1 Umgebung

Die Siedlungsperiode der Neuzeit
(Aus dem Buch: Siedlungsgeschichte der Bauernschaft Möllen von Walter Walter Neuse geb.1881 gest. 1960)

 Die jĂĽngste Siedlungsperiode der Bauernschaft Möllen, die Walter Neuse in seiner kurzen Zusammenfassung ĂĽber die Siedlungsgeschichte Möllens nur angedeutet hat, muĂź hier etwas ausfĂĽhrlicher dargestellt werden, um die Verbindung zur Gegenwart zu schaffen und die besondere Bedeutung dieses Vorganges fĂĽr die Siedlungsgeschichte des Möllener Raumes herauszustellen.

In dem Raum östlich der Eisenbahnlinie Oberhausen‑Möllen‑Spellen bis zur Dinslakener Straße, südlich begrenzt vom Lohberger Entwässerungsgraben, dem vormaligen Leitgraben, und dem anschließenden Wohnungswald und nach Norden bis zur Rahmstraße entstand in den Jahren 1951 ‑ 1957 die Hans‑ Heinrich‑ Thyssen‑ Siedlung der Bergwerksgesellschaft Walsum AG. Sie wurde erbaut auf dem Gelände des alten Kamps Hofes, der nach den letzten vier Pächtergenerationen auch „Beckedahls- Hof“ genannt wurde. Im Jahre 1955 erwarb die Bergwerksgesellschaft Walsum zwecks Vergrößerung der Siedlung auch den Bündermanns Hof, die Biesen Kate, zwei Katen auf der Horst und den Hof des Gerhard Schürmann an der Rahmstraße, dazu noch einige Morgen Land in der Nähe der Dinslakener Straße.

 Die Erschöpfung des Baulandes in Walsum zwang die Bergwerksgesellschaft Walsum AG. im Jahre 1951, zur Schaffung von familiengerechten Wohnungen fĂĽr ihre Belegschaftsmitglieder den Bebauungsplan fĂĽr die Möllener Siedlung in Angriff zu nehmen. Diese Planung erfolgte in Anpassung an den noch ländlichen Charakter Möllens und vermied dabei eine Schematisierung, um die Individualität der angesiedelten Familien zu wahren. Im Verlauf weniger Jahre wuchs so eine mustergĂĽltige Siedlung, die das Gesicht der Bauernschaft Möllen grundlegend umgestaltet hat.

Nach der Schaffung der ersten Straßen und des erforderlichen Kanalisationsnetzes wurde im Juli 1951 mit dem ersten Bauabschnitt von 230 Wohnungseinheiten im Kern der heutigen Siedlung begonnen. Hierbei wurden Reihenhäuser mit insgesamt 172 Mietwohnungen und 44 Eigenheime mit 58 Wohnungen auf dem Gelände des ehemaligen Kamps Hofes errichtet. Schon im Sommer des Jahres 1952 konnten die ersten Neusiedler in ihre Wohnungen und Eigenheime am Bruchkamp, an der Königsberger, der Schlesier‑, der Friedrichstraße und am Leitkamp einziehen.

Gleichzeitig, noch im Juli 1952, wurden die Arbeiten für den zweiten Bauabschnitt aufgenommen, der 424 Wohnungseinheiten vorsah. Bis zum März 1954 konnten weitere 62 Häuser mit 272 Mietwohnungen und 86 Eigenheime mit 152 Wohnungen bezogen werden. Am Busch, am Kampshof, an der Hauerland‑, der Schlesier‑, der Memellandstraße und am Leitkamp entstandet die Mietwohnungen, während Eigenheime an der Saar‑, Friedrich‑ und Hauerlandstraße, am Leitkamp und Bruchkamp errichtet wurden.

Um dem ständig wachsenden Wohnungsbedarf nachzukommen, wurde im September 1955 ein dritter Bauabschnitt eingeleitet, der 121 Wohnungen, davon 92 Mietwohnungen in 21 Häusern und 21 Reiheneigenheime und 4 Doppeleigenheime umfaßte. Im August 1956 konnten diese Wohnungen bezogen werden.

Der vierte und abschließende Bauabschnitt der Siedlung wurde im Frühjahr 1956 begonnen und umfaßte ein Programm von 323 Wohnungseinheiten. Mit durchschnittlich 350 ‑ 400 Bauhandwerkern konnten bis zum März 1957 60 Mehrfamilienhäuser mit 248 Mietwohnungen, 49 Reihen­- und 13 Doppeleigenheime mit 75 Wohnungen erstellt werden. Damit war das nördliche und östliche Randgebiet der Siedlung an den Straßen Auf dem Bünder und längs der Knappenstraße geschlossen worden und eine große, nicht mehr ländliche Siedlung mit insgesamt 1098 Wohnungseinheiten entstanden.

Mit den einzelnen Bauabschnitten wuchsen neben den Straßen auch die sogenannten Folgeeinrichtungen. Bei Beginn der Bauarbeiten im Jahre 1951 war nur die etwa parallel zum Lohberger Entwässerungsgraben verlaufende Friedrichstraße ausgebaut, und in wenigen Jahren entstand nun das große, vorzüglich ausgebaute Straßennetz innerhalb der Siedlung.

Neben katholischem und evangelischem Kindergarten, die 1959 wesentlich erweitert werden konnten, wurde im alten Kamps Hof die erste Werksfürsorge geschaffen mit Nähschule und einer Bücherei. 1958 wurde der Kamps Hof zu einer katholischen Kirche ausgebaut. Eine eigene evangelische Kirche kam erst später, im Jahre 1961, hinzu.

Neben der neuen evangelischen Schule, die inzwischen stark erweitert worden ist, trat 1957/58 die katholische Schule, die 1959 ebenfalls vergrößert werden mußte.

Da es in der großen Siedlung an Geschäften fehlte, entstand schon im Jahre 1957 zwischen der Schlesierstraße und dem Leitkamp an der Königsberger Straße ein großes Geschäftsviertel.

Zu erwähnen bliebe noch das 1957 errichtete Pumpwerk der Siedlung. Daß auch Sportplätze und Kinderspielplätze in dieser Siedlung, die sich in ihrer gelockerten, weiträumigen Bauweise in der Nähe des Rheinstromes und des Waldes in die Landschaft einfügt, vorhanden sind, versteht sich am Rande. Damit sind in der noch nicht von der Industrie berührten Landschaft alle Voraussetzungen für ein gesundes Wohnen der hier untergebrachten Familien vorhanden.

Dieser großzügigen Siedlungsplanung gegenüber fällt die Zahl der im gleichen Zeitraum in der Nähe an der Rahm‑ und Dinslakener Straße errichteten privaten Bauten für die Siedlungsgeschichte Möllens kaum ins Gewicht.

Welche Bedeutung diese jüngste Siedlungsperiode für die Aufschließung der alten Bauernschaft hat, das zeigen schlagartig die Bevölkerungszahlen. Die Bauernschaft Möllen hat heute (1963) eine Bevölkerung von rd. 6300 Personen. Davon leben allein 5000 in der Hans‑ Heinrich- Thyssen‑ Siedlung. Daß dieses Bevölkerungsverhältnis auch hier, wie anderenorts im Ruhrgebiet, im Laufe der Zeit zu einer gründlichen Umschichtung und Aufsaugung der alten, eingesessenen Bevölkerung führen wird, ist an den vielen geschichtlichen Beispielen im Ruhrgebiet abzulesen.

 

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