Geschichte Teil 1
M├Âllen im NET(Z) Sehenswertes Bilderbogen Geschichte Teil 1 Umgebung

Auszug aus der Siedlungsgeschichte von M├Âllen
(Aus dem Buch: Siedlungsgeschichte der Bauernschaft M├Âllen von Walter Walter Neuse geb.1881 gest. 1960)

 F├╝r die Besiedlung der M├Âllener Gemarkung lassen sich mehrere Siedlungsperioden und Siedlungsr├Ąume nachweisen. Die Klevische Katasterkarte von 1733 weiter unten zeigt, da├č nur das Gebiet zum Rhein hin aufgeteilt und besiedelt, der weit gr├Â├čere Teil der Gemarkung jedoch noch unkultiviertes Bruchland ist.

Doch schon lange vor 1733 hat die Bauernschaft M├Âllen bestanden. Ihre Ureinwohner siedelten sich zumeist auf dem hochwasserfreien Gel├Ąnde zwischen dem Rhein und der heutigen Frankfurter Stra├če, der Verbindung zwischen Walsum und Voerde, an. Der Rhein floss seinerzeit an Budberg und Rheinberg vorbei, also viel weiter westw├Ąrts als 1733. Die Rotbachm├╝ndung lag auch nicht an der Stelle, an der sie in der Karte von 1733 verzeichnet ist. Der Bach beschrieb westlich des Seukens Hofes einen Bogen in nordwestlicher Richtung und m├╝ndete unterhalb der Pferdest├╝cke.

Weiter flu├čabw├Ąrts, in der H├Âhe des heutigen Strandhauses Ahr, lag an der Abzweigung eines Rheinarmes, der die Ortschaften G├Âtterswickerhamm, L├Âhnen und Mehrum umfloss, eine Wasserm├╝hle. Nach dieser M├╝hle erhielt die Bauernschaft ihren Namen. In einer Urkunde von 1414 wird sie Dorf und Feld ÔÇ×Mulen" genannt. Aus Mulen ist dann im Laufe der Zeit der Ortsname M├Âllen geworden.

Von der Mitte des 16. Jahrhunderts an verlegte der Rhein sein Bett ostw├Ąrts. Eine Rute Land nach der anderen versank in den Fluten. Die Karte von 1733 zeigt, was von der ehemaligen Siedlung ├╝briggeblieben ist. Nach urkundlicher ├ťberlieferung sind untergegangen: der Hof oppen Sande, das Haus der Rokakes (=Rockocks) Kate, das Mulensadixgut, ein klevisches Lehngut, und die M├╝hle, vielleicht auch andere H├Âfe, von denen wir keine Kunde haben.

Auch nach 1733 setzte der Rhein sein Zerst├Ârungswerk fort ( z.B. Lottkusen Kate, Portjans Kate, Vikarienbergs Kate und die Kate im gemeinen Ort, auch Bendiks Kate genannt, die noch nach 1733 untergegangen sind). Noch Jahrzehnte hatten die L├Ąndereien am Rhein unter dem Uferabbruch zu leiden. Erst um 1882 begann man, dem Vordringen des Rheins durch Kribbenbau und Uferbefestigung einen Riegel vorzuschieben. Von der ganzen ehemaligen Siedlung kam als einziger Hof nur der M├Âllmanns Hof, das heutige Strandhaus Ahr, ohne Schaden davon.

Die Balkenm├╝hle in M├Âllen

Zwischen dem heutigen Strandhaus Ahr und dem Rhein liegt eine Wiese, die den Namen M├╝hlenkolkswiese tr├Ągt. Hier ist demnach ein M├╝hlenkolk gewesen, und oberhalb des Kolks hat die M├╝hle gestanden. Das war zu einer Zeit, da von dem Rheinarm, der die Ortschaften G├Âtterswickerhamm, L├Âhnen und Mehrum umflo├č, nur noch ein Bach ├╝briggeblieben war und der Hauptarm des Rheins viel weiter westlich str├Âmte als heute. Wo der Bach vom Hauptarm abzweigte, war eine Schleuse angelegt 1). Unterhalb der Schleuse stand die M├╝hle, eine Balkenm├╝hle. Das aus Holz errichtete M├╝hlenhaus stand auf einem Balkenger├╝st, das seinerseits auf eingerammten Pf├Ąhlen ruhte.

Vor 1495 war mit dieser M├╝hle noch eine Schleiferei verbunden. Doch weil Vinseler, ÔÇ×der Me├čmaker" (Messerschmied), seine Steuern nicht bezahlte, pf├Ąndete der Rentmeister Duymen den Schleifstein und verkaufte ihn. ÔÇ×Und ist das Holzwerk abgetrieben und zerbrochen." 

Im Jahre 1493 pachtete Johann v. d. Kapellen die Balkenm├╝hle auf 6 Jahre f├╝r einen j├Ąhrlichen Pachtzins von 4 Malter Weizen, 37 Malter 1 Scheffel 1 Spint Roggen, 18 Malter 2 Scheffel 3 Spint Malz.

Am Tage nach Andreastag (1. Dezember) 1495 kam des Nachts ein gro├čer Sturm mit Regen und ein unverhofft ├╝bergro├čes Gewaltwasser und hat die Flutb├╝hne zerbrochen, die nun mit den Sch├╝tten und einem Teil der Pfosten, darauf die M├╝hle stand, weggetrieben, wodurch die M├╝hle so sehr zerbrochen, da├č sie ÔÇ×vollst├Ąndig umgedrewen und gefallen ist". Der Rentmeister des Landes Dinslaken, der f├╝r die Instandhaltung der staatlichen Geb├Ąude zu sorgen hatte, bestellte den Zimmermeister Johann Stoll, um Holz zu beschlagen, daraus man Planken schnitt f├╝r die Flutb├╝hne, f├╝r die Sch├╝tten und die W├Ąnde des M├╝hlenhauses. Er mu├čte auch die Pf├Ąhle f├╝r den Unterbau der M├╝hle behauen, anspitzen und einrammen, kurz alles machen, damit die M├╝hle wieder g├Ąngig wurde. 24 Tage hat der Meister daran arbeiten m├╝ssen. Und weil es Wintertag war, erhielt er au├čer der Kost pro Tag 5 Albus, seine 2 Gesellen pro Tag 4 Albus. 500 Fu├č Holz wurden von 2 Holzschneidern zu Planken und Latten geschnitten. 2 gro├če Anker mu├čten f├╝r die M├╝hle beschafft werden 2).

1553 lieh Herzog Wilhelm v. Kleve von der ÔÇ×Arme M├Ągde Fundation" zu Wesel, einer Stiftung f├╝r arme, adelige Jungfrauen, 500 Goldgulden,wof├╝r er j├Ąhrlich 25 Malter Roggen als Zinsen gab, die von den M├╝hlen in M├Âllen, Voerde und Dinslaken anzuliefern waren').

1565, M├Ąrz 2, wird die Fischerei in dem Bach, auch Schleusengraben genannt, verpachtet, und zwar ÔÇ×von der Balkenm├╝hle den Bach hinab bis zur Schleuse in Mehrum"').

Als 1612 die Fischerei aufs neue vergeben wurde, ist auch von der Balkenm├╝hle die Rede.

Das ist die letzte Nachricht, die von der Balkenm├╝hle in M├Âllen ├╝berkommen ist. Der Rhein verlagerte im Laufe der Jahre sein Bett immer weiter nach Osten, die M├╝hle mu├čte weichen. Bei jedem Hochwasser trug der Rhein Schlick und Sand in den Schleusengraben, so da├č er verlandete. Der M├╝hlenkolk wurde zur M├╝hlenkolkswiese).

Bemerkenswert ist noch folgendes: Wo jetzt das Strandhaus Ahr steht, lag fr├╝her der Hof ÔÇ×M├Âllmann", vielfach auch ÔÇ×an gen M├Âll" genannt. Ferner ist der Name der Bauernschaft M├Âllen auf diese M├╝hle zur├╝ckzuf├╝hren. 1582, Oktober 1, wird in einem Pachtvertrag die Lage einer Kate folgenderma├čen angegeben: Die Rodcocks Katst├Ątte ist gelegen im Kirchspiel G├Âtterswickerhamm bei der Mulls).

Mulen ist die ├Ąlteste Bezeichnung f├╝r die Ortschaft M├Âllen. Die Flur zwischen dem Rhein und der Frankfurter Stra├če hei├čt heute noch ÔÇ×das M├╝hlenfeld"

1)     In einem Bericht ├╝ber die Deichverh├Ąltnisse im Amt G├Âtterswickerhamm wird gesagt: ÔÇ×Und sind 2 Schleusen gebaut, eine oberhalb der Balkenm├╝hle, die andere zu Mehrum." - Staatsarchiv D├╝sseldorf, Kleve-Mark, XI, Nr. 152.

2)    Staatsarchiv D├╝sseldorf, Kleve-Mark, XI, Akte 152a.

Sp├Ąter siedelten die Familien etwas weiter weg vom Rhein und machten aus dem ÔÇťM├Âllener BruchÔÇŁ Felder und Wiesen. Die Katen und H├Âfe konzentrierten sich haupts├Ąchlich an der Rahmstr. und der heutigen Dinslakener und der Frankfurter Stra├če!

Die Kate Am Eichelkamp im M├Âllener Bruch

Die Kate K├Ânig von Rom an der Rahmstra├če in M├Âllen

Die K├╝per Bies Kate im M├Âllener M├╝hlenfeld

Backofen der Eichelmanns Kate