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Auszug aus der Siedlungsgeschichte von Möllen Für die Besiedlung der Möllener Gemarkung lassen sich mehrere Siedlungsperioden und Siedlungsräume nachweisen. Die Klevische Katasterkarte von 1733 weiter unten zeigt, daß nur das Gebiet zum Rhein hin aufgeteilt und besiedelt, der weit größere Teil der Gemarkung jedoch noch unkultiviertes Bruchland ist. Doch schon lange vor 1733 hat die Bauernschaft Möllen bestanden. Ihre Ureinwohner siedelten sich zumeist auf dem hochwasserfreien Gelände zwischen dem Rhein und der heutigen Frankfurter Straße, der Verbindung zwischen Walsum und Voerde, an. Der Rhein floss seinerzeit an Budberg und Rheinberg vorbei, also viel weiter westwärts als 1733. Die Rotbachmündung lag auch nicht an der Stelle, an der sie in der Karte von 1733 verzeichnet ist. Der Bach beschrieb westlich des Seukens Hofes einen Bogen in nordwestlicher Richtung und mündete unterhalb der Pferdestücke.
Von der Mitte des 16. Jahrhunderts an verlegte der Rhein sein Bett ostwärts. Eine Rute Land nach der anderen versank in den Fluten. Die Karte von 1733 zeigt, was von der ehemaligen Siedlung übriggeblieben ist. Nach urkundlicher Überlieferung sind untergegangen: der Hof oppen Sande, das Haus der Rokakes (=Rockocks) Kate, das Mulensadixgut, ein klevisches Lehngut, und die Mühle, vielleicht auch andere Höfe, von denen wir keine Kunde haben. Auch nach 1733 setzte der Rhein sein Zerstörungswerk fort ( z.B. Lottkusen Kate, Portjans Kate, Vikarienbergs Kate und die Kate im gemeinen Ort, auch Bendiks Kate genannt, die noch nach 1733 untergegangen sind). Noch Jahrzehnte hatten die Ländereien am Rhein unter dem Uferabbruch zu leiden. Erst um 1882 begann man, dem Vordringen des Rheins durch Kribbenbau und Uferbefestigung einen Riegel vorzuschieben. Von der ganzen ehemaligen Siedlung kam als einziger Hof nur der Möllmanns Hof, das heutige Strandhaus Ahr, ohne Schaden davon. |
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Die Balkenmühle in Möllen Zwischen dem heutigen Strandhaus Ahr und dem Rhein liegt eine Wiese, die den Namen Mühlenkolkswiese trägt. Hier ist demnach ein Mühlenkolk gewesen, und oberhalb des Kolks hat die Mühle gestanden. Das war zu einer Zeit, da von dem Rheinarm, der die Ortschaften Götterswickerhamm, Löhnen und Mehrum umfloß, nur noch ein Bach übriggeblieben war und der Hauptarm des Rheins viel weiter westlich strömte als heute. Wo der Bach vom Hauptarm abzweigte, war eine Schleuse angelegt 1). Unterhalb der Schleuse stand die Mühle, eine Balkenmühle. Das aus Holz errichtete Mühlenhaus stand auf einem Balkengerüst, das seinerseits auf eingerammten Pfählen ruhte. Vor 1495 war mit dieser Mühle noch eine Schleiferei verbunden. Doch weil Vinseler, „der Meßmaker" (Messerschmied), seine Steuern nicht bezahlte, pfändete der Rentmeister Duymen den Schleifstein und verkaufte ihn. „Und ist das Holzwerk abgetrieben und zerbrochen." Im Jahre 1493 pachtete Johann v. d. Kapellen die Balkenmühle auf 6 Jahre für einen jährlichen Pachtzins von 4 Malter Weizen, 37 Malter 1 Scheffel 1 Spint Roggen, 18 Malter 2 Scheffel 3 Spint Malz. Am Tage nach Andreastag (1. Dezember) 1495 kam des Nachts ein großer Sturm mit Regen und ein unverhofft übergroßes Gewaltwasser und hat die Flutbühne zerbrochen, die nun mit den Schütten und einem Teil der Pfosten, darauf die Mühle stand, weggetrieben, wodurch die Mühle so sehr zerbrochen, daß sie „vollständig umgedrewen und gefallen ist". Der Rentmeister des Landes Dinslaken, der für die Instandhaltung der staatlichen Gebäude zu sorgen hatte, bestellte den Zimmermeister Johann Stoll, um Holz zu beschlagen, daraus man Planken schnitt für die Flutbühne, für die Schütten und die Wände des Mühlenhauses. Er mußte auch die Pfähle für den Unterbau der Mühle behauen, anspitzen und einrammen, kurz alles machen, damit die Mühle wieder gängig wurde. 24 Tage hat der Meister daran arbeiten müssen. Und weil es Wintertag war, erhielt er außer der Kost pro Tag 5 Albus, seine 2 Gesellen pro Tag 4 Albus. 500 Fuß Holz wurden von 2 Holzschneidern zu Planken und Latten geschnitten. 2 große Anker mußten für die Mühle beschafft werden 2). 1553 lieh Herzog Wilhelm v. Kleve von der „Arme Mägde Fundation" zu Wesel, einer Stiftung für arme, adelige Jungfrauen, 500 Goldgulden,wofür er jährlich 25 Malter Roggen als Zinsen gab, die von den Mühlen in Möllen, Voerde und Dinslaken anzuliefern waren'). 1565, März 2, wird die Fischerei in dem Bach, auch Schleusengraben genannt, verpachtet, und zwar „von der Balkenmühle den Bach hinab bis zur Schleuse in Mehrum"'). Als 1612 die Fischerei aufs neue vergeben wurde, ist auch von der Balkenmühle die Rede.
Bemerkenswert ist noch folgendes: Wo jetzt das Strandhaus Ahr steht, lag früher der Hof „Möllmann", vielfach auch „an gen Möll" genannt. Ferner ist der Name der Bauernschaft Möllen auf diese Mühle zurückzuführen. 1582, Oktober 1, wird in einem Pachtvertrag die Lage einer Kate folgendermaßen angegeben: Die Rodcocks Katstätte ist gelegen im Kirchspiel Götterswickerhamm bei der Mulls). Mulen ist die älteste Bezeichnung für die Ortschaft Möllen. Die Flur zwischen dem Rhein und der Frankfurter Straße heißt heute noch „das Mühlenfeld" 1) In einem Bericht über die Deichverhältnisse im Amt Götterswickerhamm wird gesagt: „Und sind 2 Schleusen gebaut, eine oberhalb der Balkenmühle, die andere zu Mehrum." - Staatsarchiv Düsseldorf, Kleve-Mark, XI, Nr. 152. 2) Staatsarchiv Düsseldorf, Kleve-Mark, XI, Akte 152a. |
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